Bulgarien wurde in der vergangenen Woche aus der „schwarzen“ Liste der Staaten mit einem krassen wirtschaftlichen Missverhältnis gestrichen. Gleichzeitig informierte die bulgarische Nationalbank BNB über ein Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr und bestätigte somit die Prognosen des Wirtschaftsministeriums für einen Anstieg des BIP um 4%. Das erste Ereignis ist offensichtlich positiv und das zweite erklärt, warum Bulgarien aus der genannten Liste der EU gestrichen wurde. An dieser Stelle soll daran erinnert werden, dass die bulgarische Regierung auf ein BIP zwischen 3,9% und 4% setzte, während der IWF und die Europäische Kommission 3,8% erwarteten.
Bulgarien gelangte in die EU-Liste der Länder mit einem übermäßigen makroökonomischen Missverhältnis vor drei Jahren, während der Finanzkrise, verursacht vom Bankrott der viertgrößten Bank im Land, der Korporativen Handelsbank KTB. Seitdem hat sich in wirtschaftlicher Hinsicht einiges getan. Es wurden konkrete Maßnahmen ergriffen, um das Risiko im Banksektor besser steuern zu können. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich geringfügig verbessert. Die geforderten Reformen im Finanzsektor sind jedoch ausgeblieben. Die Verschuldung der Firmen untereinander bleibt weiterhin sehr hoch. Eine umfassende Bildungsreform steht auch noch aus.
Trotzdem fühlt sich die bulgarische Regierung durch die positiven Wirtschaftsergebnisse in ihrem Vorhaben bestärkt, Mitte des Jahres den Antrag auf Beitritt zur Eurozone zu stellen. Damit erhofft sich Bulgarien, mehr ausländische Investitionen heranzuziehen, die in den letzten Jahren dramatisch abgenommen haben. Vor dem Hintergrund der positiven wirtschaftlichen Tendenzen erwarten die Wirtschaftsexperten in diesem Jahr einen Anstieg des BIP um rund 4%. Die BNB geht sogar noch weiter und prognostiziert 4,2%.
Diese Prognosen bieten eine reale Möglichkeit für die Überwindung der noch bestehenden wirtschaftlichen Missverhältnisse, insbesondere was den Lebensstandard anbelangt. Noch immer besteht eine riesige Kluft zwischen Bulgarien und den entwickelten Industriestaaten. Während der BIP pro Kopf der Bevölkerung in Bulgarien 6.500 Euro beträgt, ist der Durchschnitt in der EU 28.000 Euro und in Luxemburg sogar 100.000!
Hinzu kommt auch die ungleichmäßige wirtschaftliche Entwicklung in den einzelnen Regionen, der drastische Unterschied zwischen Sofia und wenigen Großstädten und dem übrigen Land, was die Einkommen und folglich den Lebensstandard betrifft.
Die Experten der Europäischen Kommission sehen in den positiven wirtschaftlichen Ergebnissen einen guten Nährboden für die allmähliche Überwindung der Ungleichheiten und des Rückstands und für die Durchführung tiefgreifender Reformen im Finanzsektor und in der Politik der Beschäftigung.
Es werden Fortschritte in Bereichen wie Bildung, Gesundheitswesen und bei der Durchführung eines transparenten Mechanismus bei der Bestimmung des Mindestlohns erwartet. Dort gibt es in Anbetracht der seit Jahren guten finanziellen Stabilität des Landes nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten.
Da die Erwartungen für einen Wirtschaftswachstum optimistisch sind, wäre es empfehlenswert, den Hinweis der geschäftsführenden Direktorin des IWF, Christine Lagarde, zu berücksichtigen, die darauf hinwies, dass man „das gute Wetter dazu nutzen sollte, das Dach des Hauses zu reparieren“. Es ist tatsächlich leichter Probleme zu lösen, wenn es günstige Bedingungen dafür gibt. Genau das ist der Fall in Bulgarien – die gute Wirtschaftskonjunktur sollte genutzt werden, um die noch bestehendem wirtschaftlichen Missverhältnisse abzubauen.
Übersetzung: Georgetta Janewa
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