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Boom an Scharlach und Windpocken unter Kindern in Bulgarien

Prof. Todor Kantardschiew: Grippe flaut bis in zwei Wochen ab

Foto: BGNES

„Etwas passiert!“ Mit diesen sparsamen Worten umriss kürzlich Dian Stamatow, Direktor der Sofioter Schule „Akademiemitglied Michail Arnaudow“, die Lage an seiner Schule auf Facebook: 200 Krankheitsfälle (13% aller Schüler), 2 Schüler mit Scharlach (2 Klassen unter Beobachtung), 15 Schüler mit Windpocken (10 Klassen unter Beobachtung) sowie 17 kranke Lehrer.

Diese auf den ersten Blick erschreckenden Daten einer Eliteschule in Sofia werden ergänzt durch die Worte von Prof. Todor Kantardschiew, Gesundheitsberater an der hauptstädtischen Gemeinde, dass die Fälle von Scharlach 60 Mal mehr sind als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Laut der regionalen Gesundheitsinspektion befinden wir uns jedoch nicht in einer Notsituation.


Schüler der Grundstufe sind am stärksten betroffen“, versichert der Schuldirektor. „Die Lage ist nur schwer einzuschätzen. Man kann nicht mit Sicherheit sagen, ob es nur die Grippe oder eine Kombination anderer Krankheiten ist. Wir haben drei Kollegen, die an Covid-19 erkrankt sind, der Rest hat grippeähnliche Symptome.“

Gibt es Grund zur Sorge über die gestiegene Zahl der Erkrankungen, fragten wir die Allgemeinärztin Dr. Stanislawa Krajselska.

Ja, Scharlach und Windpocken treten vermehrt auf, aber so dramatisch ist es nicht. In Bezug auf Scharlach ist das Bild verzerrt, denn oft lassen die Eltern auf eigene Initiative hin einen Rachensekret am Kind vornehmen, ohne dass ein ausgeprägtes Krankheitsbild zu beobachten ist. So wird „Streptococcus pyogenes“ nachgewiesen – ein Bakterium, das aber nicht einzig Scharlach verursachen kann; die Schulärzte gehen ihrerseits auf Nummer sicher und melden eine Scharlach-Erkrankung. Ich bin davon überzeugt, dass einige der angegebenen Meldungen falsch sind, obwohl ich nicht leugnen will, dass es eine Erhöhung der Zahl der Erkrankungen gibt.“

Eine ähnliche Position vertritt der Virologe Prof. Todor Kantardschiew. Ihm zufolge ist einer der Gründe für die Zunahme von Scharlach das Auftreten vieler Virusinfektionen nach der Corona-Epidemie, die die Immunität von Kindern und Erwachsenen geschwächt hat.

Prof. Todor Kantardschiew

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