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Zweite Donaubrücke bei Widin soll die Region aus der wirtschaftlichen Isolation herausholen

Foto: BTA
Zwei Monate vor Ablauf der Frist konnten Ende Oktober die ersten Fußgänger die zweite Donaubrücke bei Widin passieren. Es waren prominente Fußgänger – der EU-Regionalentwicklungskommissar Johannes Hahn, begleitet von den Ministerpräsidenten Bulgariens und Rumäniens, Bojko Borissow und Victor Ponta. "Der Bau dieser Brücke ist ein starkes Signal der jüngsten EU-Mitgliedsländer an Europa", kommentierte Hahn. Sind jedoch die Einheimischen auch so begeistert von der neuen Brücke?

Widin ist eine der ärmsten Städte in Bulgarien. Die Arbeitslosenrate erreichte im September 21,7%. Die jungen Menschen verlassen die Stadt noch als Schüler oder spätestens für ein Studium in den Großstädten des Landes oder gleich ins Ausland. Mit dem Bau der neuen Donaubrücke verbinden die Einwohner große Hoffnungen, dass sie ihre Stadt wieder beleben wird.

"Ich glaube, dass sich die Stadt zum Positiven verändern wird. Ich hoffe es zumindest. Und ich hoffe, dass sie neue Arbeitsplätze schafft", sagt ein arbeitsloser junger Mann.

"Es wäre gut für die Stadt, wenn mehr Menschen sie besuchen kommen. Die Autobahn zur Brücke führt zwar an der Stadt vorbei, aber trotzdem denke ich, dass die Brücke gut für Widin ist", hofft eine junge Mutter.

Der Hoffnungsträger der Einheimischen liegt etwa 8 km nördlich von Widin. Dort steht die fast fertige Brücke, die Widin mit dem rumänischen Calafat verbindet. 43 m über dem Wasser erledigt Rossen Rajkow letzte Feinarbeiten an der Stahlkonstruktion. Seit Jahren ist er auf Baustellen im Ausland unterwegs und kam nur wegen des großen Infrastrukturprojektes nach Widin zurück. Optimistisch ist er allerdings nicht.

"Ich glaube nicht, dass die Brücke eine Bedeutung für die Stadt haben wird", sagt Rossen Rajkow. "Ich sehe kein Entwicklungspotential. Die Brücke wird eine Transitzone und nichts weiter. In der Umgebung gibt es keine Industrie, keine Fabriken. Es wird sich nichts ändern hier", meint Rajkow, der nach Fertigstellung der Brücke wieder ins Ausland gehen wird.

Mit der Wende zerfielen in Bulgarien die Wirtschaftsstrukturen. Besonders hart hat es Widin und ganz Nordwestbulgarien getroffen. Die Idee einer zweiten Donaubrücke zwischen Bulgarien und Rumänien gab es schon lange vor der Wende, wurde aber während der Jugoslawien-Kriege besonders aktuell, da Bulgariens Verbindung nach Westeuropa komplett abgeschnitten war. Nach langem Hin und Her, wo die neue Brücke gebaut werden und wer sie finanzieren soll steht sie nun und soll bald für Fußgänger und Verkehr geöffnet werden. Die neue Transitstrecke ist für viele Experten und Wirtschaftsanalysten eine Möglichkeit, die Region aus der wirtschaftlichen Isolation herauszuholen.

"Möglichkeiten wird es geben, das gilt als sicher", meint Georgi Ganew vom Zentrum für liberale Strategien. "Die gute Infrastruktur hat schon immer ausländische Investitionen angelockt. Es ist durchaus vorstellbar, dass Widin wegen der neuen Brücke eine attraktive Location wird. Der Wettbewerb wird stattfinden, davon bin ich überzeugt", sagt Ganew. "Nun sind jedoch die Kommunalstrukturen am Zug, die Bedingungen dafür zu schaffen. Ich denke beispielsweise daran, dass die Lkw-Fahrer auf der bulgarischen Seite übernachten sollten und nicht auf der rumänischen", kommentiert der Wirtschaftsexperte.

Auf Investitionen hofft auch der junge Bürgermeister von Widin. Für den 34jährigen Gergo Gergow sei die Donaubrücke ein "Tor nach Europa". Mit dem rumänischen Calafat arbeite man bereits an gemeinsamen Projekten.

"Im Rahmen der Donauraumstrategie sind wir gerade dabei, Uferpromenaden mit integriertem Yachthafen auf beiden Seiten der Donau zu bauen", sagt Gergow. "Dadurch werden wir eine einheitliche Zone bilden, die auch für Fußgänger und Radfahrer zugänglich sein wird. Wir rechnen uns gute Chancen im Tourismus aus und arbeiten bereits an einem solchen Projekt. Natürlich sind das auf dem ersten Blick keine spektakulären Projekte, aber wir sind von den Finanzierungsmöglichkeiten aus den EU-Programmen begrenzt. In der nächsten Haushaltsperiode wollen wir dann größere Projekte in Angriff nehmen", versichert der Bürgermeister von Widin Gergo Gergow.
По публикацията работи: Vessela Vladkova


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