Von Angst und Zweifel bis hin zu Freude und Unterstützung – die Bulgaren reagieren unterschiedlich auf die bevorstehende Einführung des Euro ab dem 1. Januar 2026.
Für manche ist dies ein logischer Schritt zur weiteren Integration in die EU mit Versprechen von Stabilität und vereinfachtem Geschäftsverkehr, doch die hohen Preise und die Inflation rufen Besorgnis hervor. Und während Institutionen und ein Teil der Geschäftswelt den Übergang zur Gemeinschaftswährung befürworten, fragen sich viele Bulgaren, ob dies nicht zu einem weiteren Kaufkraftverlust und zu neuen Wirtschaftskrisen führen wird.
Christo Marinow ist gelernter Wirtschaftswissenschaftler und Buchhalter von Beruf. Seine Buchhaltungsfirma arbeitet seit vielen Jahren hauptsächlich mit Ausländern, die in Bulgarien leben oder hier ihr Geschäft betreiben.

„Viele meiner Klienten wenden sich im Zusammenhang mit der Euro-Einführung an mich. Ihre größten Sorgen lassen sich in zwei Bereiche unterteilen. Zum einen betreffen sie aktuelle buchhalterische Fragen, etwa wie Steuern gezahlt werden oder welche Änderungen im Rechnungswesen zu erwarten sind. Die anderen sind eher allgemeiner Natur, etwa ob sich die Preise für Immobilien oder die Lebenshaltungskosten in Bulgarien ändern werden, da ein erheblicher Teil meiner Klienten gerade wegen der niedrigeren Lebenshaltungskosten hier lebt“, teilte der Ökonom seine Beobachtungen dem Bulgarischen Nationalen Rundfunk mit.
Laut Christo Marinow tragen unsere Mitgliedschaft im Schengen-Raum seit Anfang 2025 und die bevorstehende Euro-Einführung zur Attraktivität Bulgariens für Ausländer bei, obwohl das gestiegene Interesse bereits Ende 2023 begann.
Die Klienten von Christo Marinow sind hauptsächlich digitale Nomaden und Unternehmer, die sich für Bulgarien als Wohn-, Arbeits- und Steuerstandort entschieden haben. Seine Buchhaltungsfirma betreut mittlerweile Bürger aus nahezu allen europäischen Staaten. „Es besteht ein steigendes Interesse, dieser Trend ist anhaltend und zeigt keine Anzeichen einer Änderung“, betonte Christo Marinow.

„Von Anfang 2024 bis Ende 2025 werden über hundert neue Klienten meiner Firma etwa 3 Millionen Lewa jährlich in den bulgarischen Staatshaushalt einzahlen. Das sind Steuern und Sozialabgaben – neue Einnahmen, neue Unternehmen. Zusätzlich zu diesen 3 Millionen Lewa werden diese Personen auf Jahresbasis circa 50 Millionen Lewa in Bulgarien ausgeben – etwa für Lebenshaltungskosten, den Kauf von Immobilien und verschiedenen Waren. Das heißt, es handelt sich um Konsum, der in Bulgarien stattfindet“, so Christo Marinow.
Trotz der Befürchtungen, dass die Umstellung auf die neue Währung zu weiter steigenden Preisen führen könnte, weist Marinow darauf hin, dass Inflationsprozesse ein weltweites Phänomen sind:

„Ich bin der Überzeugung, dass die Preissteigerungen nichts mit unserem Beitritt zur Eurozone zu tun haben. Dieser Prozess begann nach 2020, nach Covid, als die meisten europäischen Länder enorme Summen in ihre Wirtschaft pumpten. Daraufhin setzten sofort starke Inflationsprozesse in ganz Europa ein. Die Preise sind dort deutlich höher – etwa eine Miete von 500 Euro in einer bulgarischen Stadt kostet in den Niederlanden rund 2.000 Euro. Ja, in Bulgarien gibt es derzeit einen Preisanstieg, aber dieser hängt nicht mit der Euro-Einführung zusammen, sondern mit den Folgen der Covid-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine. Der Beitritt zur Eurozone wird niedrigere Transaktionskosten, mehr Investoren und eine leichtere Finanzierung bulgarischer Banken durch europäische Banken bringen, was die Geschäftsumgebung verbessert und letztlich die Lebensqualität steigert, da gerade die Unternehmen die Steuern und Sozialabgaben generieren, die der Staat verteilt“, sagte abschließend Christo Marinow.
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Autor: Weneta Nikolowa
Übersetzt und veröffentlicht von Rossiza Radulowa
Fotos: Facebook / Christo Marinow, Pexels
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