Was haben die Protestbewegungen auf dem Tahrir-Platz, dem Maidan, im Gezi-Park und an der Adlerbrücke in Sofia gemeinsam? Diesen und anderen Fragen in Verbindung mit Protesten in der Öffentlichkeit geht die Soziologin Nilüfer Göle nach. Sie unterrichtet als Professorin an der Hochschule für Sozialwissenschaften in Paris. Unlängst hielt sie an der Sofioter Universität einen Vortrag.
Prof. Göle ist der Ansicht, dass die politischen Proteste, angefangen bei der Arabischen Revolution, über den Maidan in Kiew bis hin zu Bulgarien dazu geführt haben, den Begriff „öffentlicher Raum“ neu zu definieren und über die neuen Formen der „Mobilisierung“ der Massen nachzudenken. Die Menschen versammeln sich in Parks, Cafés und auf Plätzen, tauschen Ideen aus und richten Fragen an die führenden Politiker. Die Soziologin will, dass die „Öffentlichkeit“ neu definiert wird:
„Ich denke, dass eine neue Epoche, eine neue Zeit begonnen hat“, ist Prof. Göle überzeugt. „Wir müssen vor allem die Beziehungen zwischen der Öffentlichkeit und der Demokratie überdenken. Heutzutage sind die Menschen global eingestellt – wir befinden uns in einer Epoche der Migrations-Gesellschaften. Es besteht bereits eine Diskrepanz zwischen der staatlichen Politik und den multikulturellen Gemeinschaften. Die Politiker haben Probleme, sich anzupassen, was viele Menschen dazu bringt, sich der nationalen Traditionen und Werte zu besinnen. Es kommt zu einem Paradoxon – die Menschenmassen sind global eingestellt, während die Politik national bleibt."
Andererseits leben wir in einer Welt voller IT-Technologien. Die Demonstranten in Kairo haben sich über die sozialen Netze organisiert und haben den staatlichen und den kontrollierten Medien keine Beachtung geschenkt. Hier geht es nicht um die anonyme Masse – die globale Welt kommuniziert bereits von Angesicht zu Angesicht.
In Europa ist eine Zunahme der nationalistischen Bewegungen zu verzeichnen, die jedoch im Unterschied zu den klassischen Nationalisten eine Symbiose zwischen Rechts- und Linksextreme darstellen. Die autoritären Regime ihrerseits wissen auch die neuen Technologien zu nutzen, um die Öffentlichkeit zu beherrschen. Sie erdenken ständig neue Maßnahmen zur Festigung der „moralischen“ Normen an öffentlichen Orten.
Die heutigen Protestaktionen erinnern an die Anfänge der Proteste von 1968 in Frankreich. Haben die Aktionen heute das gleiche Potential?
„Der Geist von 1968 war im Gezi-Park allgegenwärtig und dessen waren sich auch die Teilnehmer bewusst“, erzählt die Soziologin. „Allein der Bezug weist darauf hin, dass die Protestbewegungen 1968, wie auch heute eher kulturell als politisch sind. Sie haben eine neue Art öffentlicher Kultur geschaffen. Ich persönlich glaube eher an die „amorphe“ Anwesenheit, als an die Vorzeigedemokratie. Gezi ist ein Phantom, das überall auftauchen kann. Man irrt sich, wenn man denkt, wie alles ausgehen wird. Die Geschichte geht weiter!“, sagte abschließend Prof. Göle.
Deutsche Fassung: Wladimir Wladimirow
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