Ein feuerspeiender Drache empfängt die Besucher des ersten Bügeleisenmuseums auf dem Balkan, die die Geschichte eines Geräts kennenlernen wollen. Bereits zu Beginn des Rundgangs durch das Museum stellen sich die Besucher Fragen wie zum Beispiel warum auf den Bügeleisen voluminöse Figuren von Göttern und Göttinnen, von Hähnen und Teufeln, von Lotusblumen und der berühmten Kapitolinischen Wölfin mit Romulus und Remus abgebildet sind, um zu einem späteren Zeitpunkt festzustellen, dass das Bügeleisen jahrhundertelang nicht nur zum Glätten von Stoffen, sondern auch zur Verschönerung der Ambiente der Häuser genutzt wurde, erklärt Grosdelina Georgiewa, Kuratorin im Regionalen Ethnografischen Museum.

„Die ersten Bügeleisen waren eigentlich Steine, die, nachdem sie erhitzt wurden, die gekräuselten Fasern glätten konnten. Später wurden Metallstücke benutzt, die in den Feuerstellen erhitzt wurden“, erzählt Georgiewa weiter. „Im Museum erfahren die Besucher, dass die Bügeleisen in der Römerzeit aus unbeständigen Materialien bestanden haben und wir uns deshalb nur anhand von Zeichnungen und Wandmalereien ein Bild davon machen können, wie sie ausgesehen haben“, so die Kuratorin.
Die Museumsbesucher sehen einige der ältesten Bügeleisen der östlichen Welt – chinesische Bügeleisen, die vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zum Bügeln von Seide verwendet wurden. Durch Fotos, Bilder und Animationen lernen sie die Symbole auf vielen Bügeleisen kennen, die neben dreidimensionalen Figuren auch Gravuren mit Schiffen, Drachen und Greifen aufweisen, eine gaze symbolische Welt.

In Bulgarien werden Bügeleisen seit prähistorischen Zeiten benutzt. Im 14. Jahrhundert stellten Handwerker Bügeleisen aus einem Stück Eisen her. Im Museum sind ältere Beispiele zu sehen, die wegen ihres seltsamen Aussehens „Gänse” genannt wurden. Der Produktion von Bügeleisen in unserem Land ist ein spezieller Saal gewidmet.
„Sehr populär war in Bulgarien das schwedische Kohlebügeleisen, das mit erhitzten Kohlen gefüllt wurde, erklärt Grosdelina Georgiewa. Gleichzeitig haben einige Fabriken in Kasanlak Geräte mit einem Rohr zum Ableiten des Dampfes hergestellt, das sich aber im Gegensatz zum englischen Prototyp an der Rückseite befand. Mit diesen schweren Bügeleisen wurden Militäruniformen gebügelt. Plowdiw war mit etwa sechs Fabriken, die Kohlebügeleisen herstellten, führend. Diese Fabriken wurden später im staatlichen Unternehmen „Balkan“ vereint. Ab 1953 wurden parallel zu Kohlebügeleisen auch Elektrobügeleisen verwendet.“

Das Bügeleisen war früher ein multifunktionales Gerät und deshalb wurde im Museum ein gesonderter Raum eingerichtet, in dem Prototypen von funktionierenden Bügeleisen mit Verzierungen ausgestellt sind, die im 19. Jahrhundert hergestellt wurden. Diese Bügeleisen dienten auch als Kästen für Blumen, Eier und sogar als Versteck für Briefe. Ähnliche Geräte aus Porzellan wurden in Souvenirläden verkauft, da die Menschen entdeckten, dass sie eine besondere Schönheit ausstrahlen und auf einem Regal zu Hause besonders gut aussehen.
Ein interessanter Fakt ist, dass Bügeleisen auf Grund ihres Gewichts, das bis zu zehn Kilogramm erreichen konnte, viele Jahre nicht von Frauen benutzt wurde. Die Hersteller robuster Wollstoffe und die Schneider waren einst Männer. Für die einzelnen Details der Kleidungsstücke gab es verschiedene Bügeleisen.
„Es gab Bügelvorrichtungen für Hosen und Krawatten, aber auch für Spitze. Das Bügeleisen ist nicht nur mit dem Stoff, sondern auch mit der Entwicklung der Mode verbunden. Während in Bulgarien im 17. Jahrhundert noch Trachten getragen wurden, die aus schweren Wollstoffen bestanden und für die kein Bügeleisen nötig war, trug die vornehme Herrschaft in Frankreich und Österreich-Ungarn Kleidung aus feinen Stoffen und Spitze. Das Bügeleisen fügte sich der aktuellen Mode“, erklärt Grosdelina Georgiewa.

Die Chronologie der Entwicklung des Bügeleisens vom Steinwerkzeug bis zum modernsten Gerät, das den Stoff nicht einmal berührt, kann in den Ausstellungssälen des Museums verfolgt werden. Interessant ist aber auch die Geschichte der Entstehung des Museums in Plowdiw. Alles begann mit einem zufällig auf der Straße entdeckten Kohlebügeleisen, das mit dem Kopf der griechischen Göttin Athena verziert war. Die Sammelleidenschaft eines Malers wurde entfacht.
„Der Künstler Dimitar Dobrew ist Stifter und Initiator für die Gründung des Bügeleisenmuseums. Wir haben seinen Traum verwirklicht“, sagt die Kuratorin Grosdelina Georgiewa. „Vor vielen Jahren war er von diesem scheinbar einfachen Gegenstand fasziniert und sah darin ein Werk, das von Künstlern und Bildhauern geschaffen worden war. Der Kopf der Athena Pallada ist sehr fein gearbeitet. Man kann ihre Locken, ihre Augen und den Helm der Göttin bewundern, die der Sage nach aus dem Oberschenkel des Zeus geboren wurde. Sie ist die Göttin der Weisheit und Schutzpatronin der weiblichen Tätigkeiten wie dem Weben. Dimitar Dobrew sammelte dieses halb zerfallene Bügeleisen von der Straße auf, reparierte es mit viel Liebe und versah es mit einem Griff. Er sammelte 40 Jahre Bügeleisen, die nun ein Zuhause gefunden haben. „Selbst im letzten Jahr rief er noch an, um uns mitzuteilen, dass er weitere Stücke gesammelt hatte. Auf meine Worte, dass es genug sei, antwortete er: „Für die Schönheit kann es nie genug sein!“
Dem Spender, der 1.200 Reliquien aus aller Welt zusammengetragen hat, war es nicht vergönnt, die Eröffnung des Museums seiner Träume mitzuerleben.
Übersetzt und veröffentlicht von Georgetta Janewa
Fotos: Regionales Ethnografisches Museum – Plowdiw, btvnovinite.bg
Die 14. Ausgabe von DiVino.Taste, dem bedeutendsten Forum für bulgarischen Wein und seine Spitzenwinzer, findet vom 28. bis zum 30. November im Inter Expo Center in Sofia statt. Über 80 Produzenten aus allen Weinregionen werden vertreten sein und..
Wenige Minuten bevor im Parlament die zweite – abschließende – Lesung des Staatshaushalts 2026 beginnen sollte, stoppte der Vorsitzende der größten Parlamentsfraktion GERB-SDS, Bojko Borissow, das Verfahren. Er verwies das Gesetz zur Überarbeitung..
Die Reisen bulgarischer Staatsbürger ins Ausland beliefen sich im Oktober 2025 auf 829.300 und lagen damit um 15 Prozent über dem Wert vom Oktober 2024, teilte das Nationale Statistikamt mit. Die meisten Reisen führten in die Türkei, nach..